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Themen:

  Preiskatalog zur Freihändigen Vergabe   Klick hier
       
  "Kosten sparen und doch sanieren"
ein Vortrag von Dipl.-Ing. Bernhard Fried,
Geschäftsführer der KommunalPlan GmbH Braun und Jung, Erlenbach
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Preiskatalog zur Freihändigen Vergabe

Ein nicht ganz alltäglicher Weg zur kurzfristigen Behebung von Kanalschäden

Immer wieder treten unsere Kunden, Verbände und Gemeinden an uns heran, weil sie Probleme haben mit Schäden im Kanal und diese gerne möglichst schnell behoben haben wollen.

In vielen Fällen ist es dann nicht möglich in kurzer Zeit Preisanfragen oder Ausschreibungen durchzuführen. Häufig ist es wegen der geringen Stückzahl und der Vielfältigkeit der technischen Möglichkeiten nicht überschaubar welches Verfahren der Reparatur oder Instandsetzung hier nun sinnvoll eingesetzt wird.

Diese immer wiederkehrende Aufgabenstellung hat uns, in Zusammenarbeit mit den verantwortlichen Vertretern einzelner Abwasserverbände und Gemeinden, dazu veranlasst ein, in anderen Sparten des Betriebs und Unterhalts von leitungsgebundenen Einrichtungen, längst übliches Verfahren der Auftragsvergabe auch auf das Fachgebiet Kanalinstandsetzung zu übertragen und seit einiger Zeit mit Erfolg anzuwenden.

Nennen es die einen "Jahres-LV" so bezeichnen wir es als "Rahmenausschreibung für Bauleistungen zur Instandsetzung von Kanälen".

Auf welcher Grundlage basiert das vorgeschlagene Verfahren?

Zum einen besteht da ja die VOB, die eigentlich grundsätzlich immer die öffentliche, lediglich unter bestimmten Voraussetzungen die beschränkte, Ausschreibung vorsieht. Wenn man allerdings den § 3 VOB-A sich näher ansieht, dann steht dort unter Punkt 4:

"Freihändige Vergabe ist zulässig, wenn die Öffentliche Ausschreibung oder Beschränkte Ausschreibung unzweckmäßig ist, besonders:

  • b) weil die Leistung nach Art und Umfang vor der Vergabe nicht eindeutig und erschöpfend festgelegt werden kann,
  • d) weil die Leistung besonders dringlich ist,"

    (Auszug aus dem Text der VOB)

In einem Kommentar dazu steht zu lesen, "Eine Freihändige Vergabe kann ausnahmsweise durchgeführt werden ("ist zulässig"), wenn die Öffentliche oder Beschränkte Ausschreibung unzweckmäßig ist; hierfür sind in Nr. 4 sechs wesentliche Fallgestaltungen aufgeführt. Das Wort "besonders" verdeutlicht, dass auch in anderen Fällen ausnahmsweise eine Freihändige Vergabe zulässig sein kann."

Dies war und ist für uns die rechtliche Voraussetzung für die Rahmenauschreibung, so wie wir sie verstehen.

Zu den häufigsten Fällen, die über diesen Weg zur Ausführung kommen zählen die im Rahmen der Eigenüberwachungs- bzw. Eigenkontrollverordnung festgestellten Schäden, bei denen Gefahr im Verzug ist oder die keinen Aufschub dulden. Dazu zählen u.a. Fremdwassereinbrüche, Wurzeleinwüchse, Scherbenbildungen, Löcher, Brüche usw. Oft ist es auch nicht möglich im Vorfeld zu solchen Instandsetzungen die Massen genau zu bestimmen.

Wie gehen wir nun vor?

a) die vorbereitende Anfrage

Der erste Schritt war bisher immer eine Anfrage an mögliche Bieter. Dabei legen unsere Kunden meist den allergrößten Wert auf die Zusicherung der Bereitschaft zu Notfalleinsätzen.

Das Ergebnis dieser Anfrage ist eine Liste möglicher Bewerber für den Auftrag.

Denkbar und möglich ist es diese Anfrage im Rahmen eines öffentlichen Teilnahmewettbewerbs durchzuführen. Damit ist dann die VOB nahezu zur Gänze beachtet und der Wettbewerb in jedem Fall hergestellt.

b) die Ausschreibung

VOB-gerecht und entsprechend den üblichen Vorgaben der Auftraggeber erstellen wir dann ein Leistungsverzeichnis, das in Form eines Musterkatalogs alle gängigen Möglichkeiten der Instandsetzung von Kanälen von Innen (Roboter, Kurzliner, Handsanierung, Innenauskleidung) enthält. Damit erreichen wir, dass wir für die allermeisten vorkommenden Fälle sofort handeln können.

Wichtig ist, dass im Rahmen der Ausschreibung bereits der mögliche Abwicklungszeitraum vorgegeben ist, für den die Angebote als bindend erachtet werden.

c) die Sicherung der Angebote

Da die Anbieter nach VOB-A § 13 eigentlich nur für 30 Kalendertage an ihr Angebot gebunden sind, empfehlen wir unseren Kunden diese Angebotsfrist zu verlängern. Dazu werden von den in Frage kommenden Bietern Einverständniserklärungen angefordert, die etwa folgenden Wortlaut haben:
Der Auftragnehmer sichert dem Auftraggeber seine Bereitschaft zu Aufträge, die sich über konkrete Massenermittlungen aus dem Rahmenangebot vom ....... ergeben, zu den dort genannten Bedingungen und den von ihm abgegebenen Angebotspreisen mindestens bis Ende der ausgeschriebenen Laufzeit (Ende 200?) zu übernehmen

d) die Auftragsvergabe im konkreten Fall

Im Rahmen von Ausführungsplanungen erarbeitete Massen werden mit den Einheitspreisen der Bieter multipliziert. Die Endsummen miteinander verglichen. Der Bieter, der das wirtschaftlichste Angebot abgegeben hat, wird dem Auftraggeber zur Vergabe vorgeschlagen. Er erhält dann in aller Regel auch den Zuschlag

Fazit:

Nun werden Sie fragen, ob das ganze auch funktioniert.

Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass es das tut. Über diesen Weg haben wir seit 2001, seit damals setzen wir das Verfahren ein, etwa 30 Baumaßnahmen mit Auftragssummen von 2.000,- bis 90.000,- € abgewickelt. Bisher immer ohne Probleme.

Unsere Auftraggeber waren bisher mit dem vorgeschlagenen Weg zufrieden. Das ist unser oberstes Ziel.

Haben wir Ihr Interesse geweckt, dann fragen Sie uns.


"Kosten sparen und doch sanieren"

Autor:
Dipl.-Ing. Bernhard Fried, Geschäftsführer der KommunalPlan GmbH Braun und Jung, Erlenbach

Verwendete Literatur:

eigene Unterlagen zur Baumaßnahme

 

Sehr verehrte Damen und Herren,

Dieser etwas ungewöhnliche Titel ist bei der Vorbesprechung zu diesem Referat entstanden. Wenn Sie es bis zu Ende anhören, werden Sie vielleicht verstehen, was ich damit gemeint habe.

Da die allermeisten von Ihnen mich nicht persönlich kennen, gestatten Sie mir, dass ich mich und meinen beruflichen Werdegang kurz vorstelle. Wie Sie dabei sehen werden, komme ich nicht von der theoretischen Seite, ich habe weder promoviert noch bedeutsame wissenschaftliche Versuche durchgeführt. Nein ich komme aus dem Bereich der Anwender, aus der Praxis und spreche hier und heute über meine persönlichen Erfahrungen mit den Reliningverfahren im Allgemeinen und über das Close-Fit-Verfahren mit der Compact-Pipe im Besonderen.

Dabei werde ich so reden, wie mir der Schnabel gewachsen ist, wie ich es seit Anfang meiner beruflichen Laufbahn auf der Baustelle mit den Kollegen und Mitarbeitern dort pflege. Geradeheraus, klar und deutlich. Das ist dort notwendig, damit jeder versteht, was gemeint ist. Hier ist es vielleicht hilfreich Ihnen das näher zu bringen, worauf es mir ankommt.

Zunächst etwas zu meiner Person.

Ich habe in den Jahren 1974 bis 1978 an der Fachhochschule in Coburg Bauingenieurwesen studiert. In den ersten 10 Berufsjahren sammelte ich bei einer großen international agierenden deutschen Baufirma, und einem mittelgroßen regional tätigen Unternehmen als Bauleiter auf Straßen- und Tiefbaubaustellen meine praktischen Erfahrungen, die mir heute sehr zu gute kommen. Dinge, die man auf Kanalbaustellen selbst gesehen hat, kann man später auch an ihren Auswirkungen erkennen.

1987 wechselte ich dann in das Bauamt meiner Heimatstadt Erlenbach a. Main, einer Kleinstadt mit heute etwas mehr als 10.000 Einwohner. Dort entdeckte ich in der Sorge um die unterirdische kommunale Infrastruktur meine jetzige berufliche Passion. Erfassung und Dokumentation der leitungsgebundenen Einrichtungen sowie Feststellung und Bewertung des Bau- und Betriebszustandes waren Ende der 80-er Jahre auf dem flachen Land noch nicht die Regel. Für mich und einige andere Kollegen in der näheren und weiteren Umgebung aber bereits ein Thema. In dieser Zeit traf ich mich regelmäßig mit Kollegen aus ganz Bayern in einer Arbeitsgruppe des bayerischen Gemeindetages, um zusammen mit der in Bayern bekannten AKDB praktikable Lösungen für Kanalinformationssysteme zu suchen. In den fünf Jahren als Vorsitzender dieser Arbeitsgruppe konnte ich auch auf diesem Gebiet wesentliche Erkenntnisse mitnehmen.

Ein weiteres wesentliches Schlüsselerlebnis war dann die Teilnahme an der „No Dig“ im Jahre 1989 in Hamburg. Dort hatte ich erstmals intensiven Kontakt zur Welt des grabenlosen Bauens und den technischen Möglichkeiten zur unterirdischen Instandsetzung von Schäden im Kanal.

Dies und das Wissen über den Bauzustand des Kanalnetzes meiner Heimatstadt, waren ein wesentlicher Grund dafür, dass es mich drei Jahre später reizte, aus der oft gepriesenen Sicherheit des öffentlichen Dienstes hinaus in die vermeintliche „Unsicherheit“ der freien Wirtschaft zu wechseln. Inzwischen beschäftige ich mit seit mehr als 15 Jahren, zunächst als Mitarbeiter in einem Ingenieurbüro, heute als Geschäftsführer und Teilhaber eines selbstständig agierenden Büros, mit Namen

KommunalPlan GmbH Braun und Jung

mit der Umsetzung der EÜV oder EKVO in meiner Heimat, dem bayerischen Untermain und dem benachbarten Hessen. Auf dem Bild 1 der Anlage ist unser hauptsächlicher räumliches Tätigkeitsbereich als Kartenausschnitt aufbereitet.

In den Jahren seit 1992 habe ich zunächst allein und ab 2001 dann zusammen mit meinen Mitarbeitern die TV-Inspektionen von etwa 100 Verbands- und Ortsnetzen in einzelnen Netzlängen von wenigen hundert Metern beginnend bis hin zu 100 Kilometer vorbereitet, begleitet und ausgewertet. Die Gesamtlänge der an meinem bzw. unseren Augen vorbeigegangenen Rohrleitungen, einschließlich von bereits beginnenden Wiederholungs- und Abnahmeuntersuchungen, liegt irgendwo zwischen 2.000 und 2.500 km. Auf der Basis dieser Inspektionen haben wir inzwischen für einen Großteil unserer Auftraggeber Sanierungskonzepte entwickelt und konnten in vielen Fällen auch Teile davon bereits in die Tat umsetzen.

In Ergänzung zur Erneuerung von Kanälen, die von unserem „Mutterbüro“, dem Ingenieurbüro Jung, in offener Bauweise ausgeführt werden, haben wir mehr als 100 km an Kanalleitungen durch Roboter, Kurzliner oder Innenauskleidung instandgesetzt. Fast 20 km davon sind mit Renovierungsverfahren ausgekleidet worden. In der überwiegenden Mehrheit wurde das, wie fast überall mit Schlauchlinern abgewickelt. Allerdings konnten wir auch in einigen wenigen Ausnahmefällen Erfahrungen mit anderen Renovierungsverfahren wie C-Liner, U-Liner und Wickelrohr sammeln.

Über einen solchen Fall will ich Ihnen nun heute berichten. Und wie Sie sicher unschwer erraten können handelt es sich dabei um den

Einbau einer Compact Pipe, im Close-fit-Verfahren,

Hersteller ist die Firma Wavin.

Dabei erspare ich mir und Ihnen die allgemeine Beschreibung des Verfahrens, weil Ihnen andere dies viel besser und umfassender erklären können. Was ich Ihnen nicht ersparen kann ist die Vorgeschichte der Maßnahme und den Weg, der zur Entscheidung geführt hat, dass dieses Verfahren dann doch noch zum Einsatz kam.

Zuerst die Vorgeschichte.

Der Abwasserverband Main-Mömling-Elsava, der für die Entsorgung des halben Landkreises Miltenberg und einiger angrenzenden Gemeinden im Landkreis Aschaffenburg und im benachbarten Hessen zuständig ist, betreibt ein eigenes Sammlernetz von etwa 80 km und ist darüber hinaus auch für den Betrieb eines großen Teils der 450 km der ihm angehörenden Mitgliedskommunen zuständig. Dieser Verband unterhält bis heute, mangels anderer Möglichkeiten, eine Druckleitung, die unter der Brücke in Klingenberg hängt. Oben über diese Brücke fließt der Straßenverkehr und unten wird das Abwasser von der einen auf die andere Mainseite gepumpt.

Google sei Dank, kann ich Ihnen die Ausgangssituation auf einem Luftbild kurz aufzeigen.

Auf der Klingenberger Mainseite münden mehrere Äste des, als Maintalsammler-West bezeichneten, Verbandskanals in einem Becken zusammen. Die Kläranlage liegt auf der gleichen Mainseite etwa 15 km Main abwärts. Nun sollte man denken, dass es das einfachste wäre, dass man im natürlichen Gefälle des Maines das Abwasser in die Kläranlage ableiten kann. Dies funktioniert aber nicht, weil etwa 3 km von diesem Punkt entfernt ein seit den Anfängen des 20. Jahrhunderts dort angesiedelter Schiffsbaubetrieb den Bau des Sammlers unmöglich machte. Also entschied man sich in den 1970-er Jahren dazu, dass man das Abwasser auf die andere Mainseite pumpen will.

Nun hat man auch damals schon die technische Lösung des Unterdükerns eines Flusses gekannt und an anderen Stellen auch angewendet. Warum man dies hier nicht tun konnte, ist mit zwei Sätzen erklärt.

Man befindet sich hier im Bereich der Ein- und Ausfahrt der Schleuse von Klingenberg. Die Bundeswasserstraßenverwaltung wusste damals schon, dass der Ausbau des Mains und der Schleusen als Europäische Wasserstraße kommen wird. Doch wie und was im konkreten Fall passiert, konnte und wollte niemand sagen. Vor allem wollte man sich keine Hindernisse einbauen lassen, die spätere Planungen stören könnten.

Also ist wohl, wie auch immer, ein gescheiter Ingenieur auf die „Brückenlösung“ gekommen und man hat diese dann auch so gebaut. Es wurde also vom Pumpwerk eine Erdleitung zur Brücke verlegt, die am Widerlager auf der Klingenberger Seite hochgeführt und im Brückenträger auf die andere Mainseite geleitet wurde. Etwa ab der Mitte der Brücke, dort ist ein Hochpunkt, fließt das Wasser frei ab, bis dahin, etwa 8 m über dem Pumpensumpf, muss das Wasser gedrückt werden.

Auf der Gegenseite wird die Leitung um das Brückenwiderlager herumgeführt und mündet in den weiterführenden Sammler.

Soweit zur damals entstandenen abwassertechnischen Situation.

Die heutige Situation,

jetzt mehr als 30 Jahre nach der Entscheidung, dass die Leitung unter die Brücke gehängt wurde, stellt sich ganz anders dar. Die Brücke, die im Krieg teilweise zerstört und danach mit einfachsten Mitteln wieder aufgebaut wurde, weist so starke Schäden auf, dass sie seit einigen Jahren schon für den Schwerlastverkehr über 16 to Gesamtgewicht gesperrt ist. Die Planungen laufen, die Brücke kommt weg und wird wenige Meter neben der jetzigen neu gebaut.

Die Situation des Wasser- und Schifffahrtsamtes ist geklärt. Zur Zeit wird unweit unterhalb des Pumpwerks ein Düker unter dem Main gebohrt. In absehbarer Zeit ist die Brückenleitung hinfällig und kann abgebaut werden.

Warum erzählt er uns das alles, werden Sie sich jetzt fragen.

Des Rätsels Lösung ist, dass wir im Frühjahr 2001 für den Abwasserverband eine Reliningmaßnahme zur Instandsetzung dieser Brückenleitung projektiert und im Sommer 2001 ausgeschrieben haben. Kurz danach, im Herbst 2001 wurde der Auftrag auch ausgeführt.

Dass die renovierte Leitung nun seit 6 Jahren in Betrieb ist, bestätigt uns und unsere Vorgehensweise. Denn damals war die Rede davon, dass die Brücke und die an ihr hängenden Leitungen in ein oder zwei, längstens aber in drei Jahren abgebrochen würden.

Oberflächlich betrachtet könnte man sagen, dass die rund 95.000 DM, (47.500 €) für die Instandsetzung rausgeschmissenes Geld sind. Dass dieses nicht so ist, will ich im weiteren mit meinem Vortrag belegen.

Dazu muss ich Ihnen zunächst erläutern, warum es überhaupt dazu kam, dass

eine Renovierung der Leitung erforderlich wurde

Hierfür ist es notwendig, dass ich noch ein paar Sätze zur örtlichen Situation verliere, die für die später beschriebene Sanierungsentscheidung nicht ganz ohne Bedeutung ist.

Die Stadt Klingenberg a. Main, Weinkennern wegen ihres berühmten Rotweins bekannt, hat eine gewisse, wenn auch nicht über zu bewertende touristische Bedeutung in der Region am bayerischen Untermain. Nun liegt direkt an der Brücke auf der linken Mainseite, am Bahnhof auf der Trennfurter Seite ein für Klingenberg nicht unbedeutendes Hotel. Der Besitzer dieses Hotels hat im wesentlichen dazu beigetragen, dass es zu der Entscheidung einer Generalsanierung kam.

Denn nachts, wenn es ruhig geworden und der Verkehr über die Brücke für ein paar Stunden fast zur Ruhe gekommen ist, konnten die bei offenem Fenster schlafenden Hotelgäste von Zeit zu Zeit, meist in den frühen Morgenstunden, ein deutliches Wasserplätschern vernehmen. Die Sorge des Hoteliers um die Ruhe seiner Gäste,
(„vielleicht auch um die Trockenheit seiner Betten“), hat ihn nun zur Ursachenforschung veranlasst. Zunächst ist er an die Stadtverwaltung herangetreten, die dann, unterstützt durch das Straßenbauamt, das bei einer regelmäßigen Brückenkontrolle Ende 1999 Fließspuren an der Abwasserleitung feststellte, den „Schwarzen Peter“ ganz schnell dem Abwasserverband weiterschieben konnte.

Nun war es unsere Aufgabe nach der direkten Ursache zu forschen. Zur Sicherheit, dass die Druckleitung undicht geworden ist und nicht Kondenswasser in der Isolierung entsteht, wurde eine Druckprüfung in Auftrag gegen, die umständehalber dann erst im Sommer 2000 ausgeführt wurde. Diese hat den Schaden bestätigt, es wurde im Bereich eines Brückenpfeilers deutlich sichtbar, Wasseraustritt festgestellt. Weil aber die Leitung mit Glaswolle isoliert und mit Blech ummantelt ist, konnte man bei einer direkten Prüfung nicht feststellen, ob der Bereich des Wasseraustritts auch die Lage des Lecks ist. Erschwerend war dabei auch, dass man nur an wenige Stellen im Bereich der Brückenpfeiler direkt an die Leitung gelangen konnte.

Deshalb sollten durch eine Kamerabefahrung die Leckstellen geortet werden. Tatsächlich wurden zwei verdächtige Stellen in der Leitung ausgemacht. In der Hoffnung, dass diese Schäden der Grund für die Undichtheit und für das plätschernde Geräusch sind, und in Anbetracht der Situation, dass die Tage der Leitung unter der Brücke gezählt schienen, entschied man sich die Leitung punktuell zu reparieren. Die Fa. Preussag führte diese Reparatur im September 2000 aus. Rund 35.000 DM kostete die Reparatur der zwei Stellen.

Die Hoffnung, dass nun das Problem der, wie es auf den Kamerabildern zu sehen war, wirklich in die Jahre gekommenen Leitung, über die Zeit gerettet werden konnte, hat sich schnell zerschlagen. Wie in solchen Fällen häufig, war nur kurze Zeit nach der Reparatur das Problem wieder da. Es plätscherte wieder, der Hotelier hatte seine alten Sorgen wieder, der Geschäftsführer des Verbandes seinen ständigen Gesprächspartner am Telefon wieder und wir hatten nun die alte Aufgabe auch wieder. Dieses mal aber mit der Vorgabe von der Geschäftsleitung des Verbandes, dass eine ganzheitliche Lösung gefunden werden müsse.

Nun galt es erst mal den Hotelier zu besänftigen und ihm zu versichern, dass man aktiv und mit der gebotenen Eile eine Lösung erarbeiten würde, die dauerhaft und umfassend wäre. Er spielte mit, was uns vieles erleichterte. Ob und wie er es mit seinen Gästen und dem Öffnen der Fenster hielt, wir wissen es nicht.

Nun hatten wir die nicht gerade einfache Aufgabe eine Lösung zu entwickeln, die praktikabel, finanzierbar und dauerhaft, d.h. auf die Restlebensdauer der Leitung, das Problem aus der Welt schaffte. Das Renovieren von Kanälen war für mich zum damaligen Zeitpunkt kein unbekanntes Verfahren mehr. Das Einbauen von Schlauchlinern seit fast 10 Jahren, ich will nicht sagen zur Routine, doch zu einem immer wieder eingesetzten Instandsetzungsverfahren geworden.

Doch Schlauchliner schieden aus.

Warum ist ganz einfach. Die Leitung hing unter der Brücke und hatte nur von unten her Zugangsmöglichkeit. Der Einbau eines Schlauchliners nach oben ist bei den allermeisten Verfahren nicht möglich und außerdem konnte mir niemand gewährleisten, dass der Schlauch auch den Druckbetrieb aushalten würde.

Nach einigem hin und her, vielen Fachgesprächen, auch mit ausführenden Unternehmen reifte bei mir die Entscheidung, dass der

Einbau einer Compact-Pipe

die für diesen Fall richtige Lösung ist.

Die Nennweite von DN 250, die Art der Leitungslage, die Möglichkeiten des Zugangs nur vom Widerlager aus und letztlich auch das Problem, dass die Leitung einige Bögen aufwies schienen kein Hindernis für die Umsetzung zu sein. Was aber den Ausschlag dafür gab, dass dieses Verfahren dann zum Einsatz kam, war der prognostizierte Preis von etwa 100 bis 120.000 DM. Dreimal Reparieren würden mehr kosten, als die Generalinstandsetzung. Dieses Argument überzeugte dann auch die letzten Zweifler und so wurde entschieden, dass wir dieses Verfahren in die Tat umsetzen.

Im Sommer 2001 haben wir die Generalsanierung ausgeschrieben. Den Zuschlag erhielt, dreimal dürfen Sie raten, die Firma Diringer&Scheidel, die dann das PE-Rohr, hergestellt von der Fa. Wavin, durch die Druckleitung unter der Brücke in Klingenberg zog und mit Dampf wieder aufweitete.

Dazu möchte ich Ihnen kurz einige Bilder von der Durchführung der Maßnahme zeigen.

Dank Petrus bereitete uns die Wasserhaltung kaum Probleme. Das im Becken gesammelte Abwasser wurde, wie bereits ein Jahr zuvor bei der Reparatur auch, mit Tankzügen nach Erlenbach zur nächsten freien Einleitemöglichkeit gefahren.

Nach nur zwei Tagen war die Druckleitung wieder betriebsbereit. Für weniger als 100.000 DM (50.000 €) war sie nun dauerhaft instandgesetzt.

Anders als übliche Wirtschaftlichkeitsberechnungen, die auf 50 und mehr Jahren angelegt sind, wurde das hier so gerechnet. Wenn die Leitung noch zwei oder drei Jahre in Betrieb bleibt und wir in dieser Zeit dreimal Reparaturen ausführen müssen, dann sind die Kosten mindestens genau so hoch oder vielleicht noch höher als die Renovierungskosten. Hinzu kommt der möglicherweise dauernde Ärger mit dem Nachbarn und die Frage, wann er dann an die Öffentlichkeit geht und der Verband zum wirtschaftlichen auch noch ein Imageproblem gehabt hätte.


Nun ist aber die Leitung doch viel länger als damals prognostiziert in Betrieb geblieben. Aus den maximal drei sind bis jetzt bereits sechs Jahre geworden und ob der Umschluss nun so schnell realisiert wird, wie das gedacht ist, muss die Zeit zeigen. Meine Erfahrung mit solchen Prognosen lässt sich mit dem geflügelten Wort „So schnell schießen die Preußen nicht“ am Besten beschreiben.

Zusammenfassend hoffe ich, dass ich Sie mit meinen Ausführungen davon überzeugen konnte, dass das Thema des Referates

Geld sparen und doch sanieren

für diesen Fall zutreffend gewählt wurde.

Abschließend möchte ich sagen, dass ich rückblickend gesehen auch heute nicht anders handeln würde und dass ich das damals eingesetzte Verfahren auch heute noch für absolut das richtige Verfahren halte. Leider ist es nicht immer möglich Auftraggeber von solchen Lösungen zu überzeugen. Vielleicht habe ich mit meinen Ausführungen ein bisschen dazu beitragen können, dass dieses Sanierungsverfahren an Akzeptanz gewinnt. Wenn es so ist, freut es mich.

Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit und Ihre Geduld, gerne stehe ich Ihnen auch noch für Fragen zu Verfügung.